Wir schenken dem Einatmen und dem Ausatmen oft viel Aufmerksamkeit. Der Atem fließt ein, der Atem fließt aus. Doch dazwischen liegt etwas, das leicht übersehen wird: die Atempause.
Diese kurzen Momente der Stille sind ein natürlicher Teil unseres Atemrhythmus. Sie müssen nicht erzeugt oder erzwungen werden – sie sind bereits da. Wer beginnt, ihnen Aufmerksamkeit zu schenken, entdeckt einen Raum der Ruhe mitten im Alltag.
Foto: Yura Forrat (Pexcels)
was ist eine atempause?
Nach jedem Einatmen und nach jedem Ausatmen entsteht eine kurze Pause, bevor der nächste Atemzug beginnt.
- Nach dem Einatmen spricht man von der Einatempause (Inspirationspause)
- Nach dem Ausatmen spricht man von der Ausatempause (Expirationspause).
Im Yoga werden diese Atemhaltephasen als Kumbhaka bezeichnet:
- Antara Kumbhaka – die Pause nach dem Einatmen
- Bahya Kumbhaka – die Pause nach dem Ausatmen
Im natürlichen Atem sind diese Pausen meist sehr kurz. Sie entstehen von selbst und benötigen keine bewusste Steuerung.
warum die pause nach dem ausatmen so besonders ist
Viele Menschen empfinden die Pause nach dem Ausatmen als besonders friedvoll. Nachdem die Luft den Körper verlassen hat, entsteht ein Moment des Loslassens. Für einen Augenblick gibt es nichts zu tun. Der Körper wartet ganz von selbst auf den nächsten Einatem.
In dieser kleinen Lücke können wir erfahren, was Yoga oft beschreibt: Präsenz ohne Anstrengung.
Die Gedanken werden nicht zwangsläufig still, doch wir bekommen die Möglichkeit, einen Schritt zurückzutreten und den gegenwärtigen Moment bewusster wahrzunehmen.
die atempause als tor zur achtsamkeit
Während der Asanapraxis kann die Wahrnehmung der Atempausen helfen, langsamer und bewusster zu werden. Es geht dabei nicht darum, den Atem anzuhalten oder zu kontrollieren. Vielmehr geht es darum, die natürlichen Übergänge wahrzunehmen.
Auch in der Meditation kann die Atempause ein wertvoller Anker sein. Wer den Atem beobachtet, bemerkt oft irgendwann die feinen Momente zwischen Ein- und Ausatmen. Diese Augenblicke laden dazu ein, ganz im Hier und Jetzt anzukommen.
eine einfache übung
- Nimm dir einen Moment Zeit.
- Setze dich bequem hin und schließe, wenn es angenehm ist, die Augen.
- Beobachte deinen natürlichen Atem.
- Verändere ihn nicht.
- Spüre, wie die Luft einströmt und wieder ausströmt.
- Nimm wahr, ob sich nach dem Einatmen oder nach dem Ausatmen eine kleine Pause zeigt.
- Bleibe für einige Atemzüge bei dieser Beobachtung.
- Vielleicht bemerkst du nur einen kurzen Augenblick
kannst du die satte Stille und Ruhe in dieser Pause wahrnehmen?
Foto: Soc Nang Döng (Pexcels)
die weisheit der pause
Yoga lehrt uns nicht nur Bewegung, sondern auch Wahrnehmung. Die Atempause erinnert uns daran, dass zwischen Tun und Nicht-Tun, zwischen Anspannung und Entspannung, zwischen Einatmen und Ausatmen ein Raum existiert.
Ein Raum, in dem wir nichts leisten müssen.
Vielleicht ist die Atempause deshalb so wertvoll: Sie zeigt uns, dass Stille nicht etwas ist, das wir erreichen müssen. Sie ist bereits da – in jedem einzelnen Atemzug.
impuls für deinen alltag
Wann immer du dich gestresst oder gehetzt fühlst, richte deine Aufmerksamkeit für drei Atemzüge auf die natürliche Pause nach dem Ausatmen. Oft reichen wenige Sekunden bewusster Wahrnehmung aus, um wieder bei dir selbst anzukommen.

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